Mittwoch, 30. November 2016

Dem Himmel nah

Koscioszko - ein Name, ein Ziel. Sowohl die Aussprache als auch das Bezwingen des Berges, der sich als höchster des australischen Kontinents rühmen darf, stellten unsere nächste Herausforderung dar. Früh am Morgen klingelte uns der Wecker aus unserem süßen Schlaf, da der Tag einzig und allein einem gelten sollten: Koscioszko (Kos-si-os-ko). Da der beunruhigende Duft aus unserem Motorraum uns noch immer zu schaffen machte, beschlossen wir zur Absicherung Motorexperte W. Fleckenstein zu kontaktieren. Nach Schilderung der Ereignisse war schnell klar, dass die Kupplung, bzw. der Wandler (noch immer ist uns unklar, was dies ist) unseres Automatikfahrzeugs möglicherweise defekt seien. Nach einigen Minuten der Verzweiflung, in denen sich vor allem die weibliche Fraktion unseres Zweiergespanns die schlimmstmöglichen Bilder ausmalte, stand fest: der Abschleppdienst musste, wenn der Gestank erneut einsetzen würde, ins australische Hochland kontaktiert werden. Folglich würde unser Budget nach dieser Tortur entweder schwer belastet sein oder unsere geliebte Conny würde als jämmerliches Wrack im australischen Gebirge zurückbleiben. Wie immer traf dieses Worst-Case-Szenario natürlich nicht ein. Cheers auf unser Schicksal.
Nachdem wir unser Auto, wie uns aus Deutschland befohlen wurde, in 10 Kilometer langen Unterbrechungen zur nächsten Werkstatt verfrachtet hatten und der Duft noch immer nicht die Ausmaße des Vortages angenommen hatte, begannen wir uns langsam zu beruhigen. Als auch der (wie immer) bärtige Australier in der nächstgelegenen Werkstatt feststelle, dass die Kupplung das stinkende Spektakel überlebt hatte und unsere treue Conny fitter sei denn je, ging die Fahrt weiter. Den berühmten Mount Koscioszko (2228m) erreichten wir nach einer langen Fahrt durch einen Gebirgspass, in dem wir sogar Wildpferde bestaunen konnten. Obwohl uns aufgrund der schon späten Uhrzeit davon abgeraten wurde, den Berg der australischen Berge zu bezwingen, zögerten wir nicht lange und machten uns im Laufschritt auf den Weg zur Spitze. Der 18 Kilometer lange Pfad führte uns immer wieder durch Schneefelder, die unsere luftdurchlässigen Turnschuhe mit eiskaltem Wasser tränkten. Nach einigen tiefgründigen Gesprächen erreichten wir jedoch wohlbehalten die Spitze und überblickten die australischen Berge, die im Vergleich zu den heimischen Alpen vielmehr gigantischen Hügeln glichen. Eine kilometerweite Landschaft voller trockener grüner Gräser, die hin und wieder durch weiße Flecken durchbrochen wurden, erstreckten sich, soweit das Auge reichte. Jubelschreie wiederhallten in der Tiefe, als wir uns der Tatsache bewusst wurden, dass wir in genau diesem Moment auf dem Dach des australischen Kontinents standen und im rauschenden Wind unsere verdiente Banane verspeisten. Von jetzt an konnten wir uns zu denen zählen, die einen der 7 Summits, den sieben höchsten Berge der Kontinente, bezwungen hatten. Wir hatten es geschafft. Nun waren wir dem Himmel näher als jeder andere Mensch auf dem australischen Kontinent.

P.S.: Die Bilder der letzten Posts wurden soeben aktualisiert.










Down the Hills


Am heutigen Tag unserer Reise wurden die Reifen unserer alten Ladys zum erneuten Mal aufs extremste beansprucht. Auf und Ab ging die Fahrt durch die Snowy Mountains, sodass Conny und Daisy oftmals angestrengte Laute von sich gaben. Kahle, schneeweiße Bäume ragten aus den hügeligen Bergen, die uns kilometerweit umgaben. Hier und da sah man Kängurus, die nicht selten die Bremse unseres Gefährts auf die Probe stellten. Reaktionsschnell brachten uns die immer bärtigeren Berbs jedoch durch die wilden Wälder, die vor Kängurus, Wallabys und Wombats wimmelten. Das Highlight des Tages stellte ein Thermalpool im Tal eines riesigen Berges dar, der in Anbetracht der kühlen Gebirgsluft dampfend vor sich hinschlummerte. Als wir uns den steilen Abhang in unseren Badelatschen hinabgequält hatten, stürzten wir uns in das 27 Grad warme Becken. Schöner hätte ein Tag in den Bergen kaum sein können!
Erst als es langsam zu dämmern begann, machten wir uns auf den Weg ins nächste Dorf. Vorbildlich wie sie waren, ließen die beiden Jungs unsere Camper, um spritsparend zu fahren, die steilen Berge im Leerlauf hinabrollen. Als urplötzlich ein bestialischer Gestank unsere Nasen erfüllte, der zweifellos aus unserer alten Conny zu stammen schien, brachten wir unsere Vans in der nächsten Haltebucht zum Stehen. Als der Gestank auch nach zwei vernichtete Packungen Nudeln und einigen Runden "Schnauz" später noch immer nicht verschwunden war, begannen wir uns langsam Sorgen zu machen. Nach dem uns mittlerweile vertrauten Leitspruch der Australier "No worries!" zufolge, legten wir uns jedoch bald in unsere Vans und hofften, Conny würde sich über Nacht beruhigen.

Koscioszko National Park, Thermal Pool








Montag, 28. November 2016

Der Berg ruft

Pfade durch üppige, tropische Mangrovenwälder, kilometerweite Strände und nun die schneebedeckten australischen Alpen. Das Land unserer Träume erweist sich als vielfältiger und gigantischer als wir es uns jemals erträumt hätten. Auf dem Weg in die Snowy Mountains schlängelte sich eine schmale, steile Straße entlang felsiger Abhänge, die mit üppigen Farnen  bewachsen waren und doch an eine Fahrt durch die europäischen Berge erinnerten. Immer höher erhob sich Conny über die Wälder und Berge, während sich die Nebelschwaden dicht an unsere Scheibe hefteten. Der Blick in die Höhe ließ die meterhohen Bäume mit dem schneeweißen Himmel verschwimmen und die zuvor noch trockene und heiße Luft begann langsam zu gefrieren. Nachdem wir die steile Straße durchfahren und die letzte schneeweiße Nebelbank durchquert hatten, erstrahlte die Welt, die wir in diesem Moment sahen, urplötzlich in einem leuchtenden Gelb. Kilometerweite Ebenen voller trockener Gräser erstreckten sich soweit das Auge reichte. Als wäre es der friedlichste Ort auf dieser Welt, grasten Hunderte von Schafen auf der flachen Landschaft, bis die Sonne weit in der Ferne hinter der Erde versank. Während wir den Fahrtwind an unseren Armen spürten und die Beatles die Stille des Moments durchbrachen, rauschten wir an diesem verlassenen und doch so vollkommen erscheinendem Stück Land vorbei und genossen dabei den Duft der leuchtenden Natur. Die nächste Stadt, Cooma, in der unsere Fahrt durch das australische Gebirge beginnen sollte, erwies sich als nächster Stopp unserer großen Reise. Gespannt auf all das, was uns in den kommenden Tagen erwarten würde, fielen wir alle Vier müde in unser Bett.






Eine Kerze in der Stille der Nacht

Unzählige Hafendörfer, in denen es nicht mehr gibt als die salzige Brise des endlosen Meeres, ziehen an uns vorbei. Der niesende Regen und der beißende, kalte Wind, der sich in diesem Sommer scheinbar im sonst so heißen Australien verirrt hatte, brachte uns dazu, die Geschwindigkeit zu steigern und in größeren Schritten auf die weit umschwärmte Ostküste zuzusteuern. Bald sahen wir durch unsere Rückspiegel die Schilder, die die Staatsgrenze markierten und Jubelschreie widerhallten in den meterhohen Eukalyptuswäldern. 
Auf der Fahrt in Richtung der "Snowy Mountains" (dt.: verschneite Berge) wanderten wir durch Nationalparks, kleine Dörfer und Victorias gigantische, grüne Wälder, in denen die Koalas in den dünnen Ästen saßen. Weit weg von all dem, was einem unter dem Begriff "Weihnachten" in den Sinn kommen könnte, verbrachten wir auf einem Stellplatz am Waldrand den 1. Advent. Mitten im australischen Busch ließen wir ein winziges Teelicht erstrahlen, das umgeben war von einer endlos erscheinenden Dunkelheit. Noch nie zuvor war die Kerze, die die bevorstehende Weihnachtszeit einleiten sollte, so weit entfernt von Wärme, Licht und anderen Menschen.
Ob es an der pechschwarzen Nacht lag oder der unfassbaren Leere des Landes, die uns in diesem Moment kilometerweit umgab - um uns die Wärme und Geborgenheit zu geben, die uns in dieser Zeit des Jahres üblicherweise begleitete, schien es, als leuchtete unsere winzige Kerze heller als je zuvor.


Croajingolong National Park




The Pinnacles, Eden





Donnerstag, 24. November 2016

Wandern im Wilson Prom

Nachdem wir die vergangene Nacht auf einem schmalen Schotterweg in der Wildnis verbracht hatten und glücklicherweise nicht aus unserem tiefen Schlaf gehupt wurden, ging die Fahrt weiter in Richtung des berühmten Wilson Promontory National Parks. Die nun endlich wieder blitzeblanke Scheibe Daisys sorgte dafür, dass auch unsere beiden Travelbuddys die atemberaubende Sicht auf die rauschenden Wellen der Bass Straße wieder genießen konnten. Wie so oft versprachen uns die Reiseführer nicht zu viel und lange Sandstrände erstreckten sich entlang der felsigen Hügellandschaften der riesigen Halbinsel. Der liebevoll als "Wilson Prom" bezeichnete Park gilt als südlichster Punkt des australischen Kontinents und bildete vor tausenden Jahren eine Landbrücke zu Tasmanien. Um den besagten Nationalpark in vollsten Zügen zu genießen, starteten wir eine Wanderung entlang der vielen Trails, die von duftenden Eukalyptus- und Teebaumwäldern gesäumt waren. Nachdem wir alle Ecken und Kanten des Proms erkundet hatten, gönnten wir uns eine mittlerweile bitter nötige heiße Dusche und setzten unsere Fahrt zum nächsten Rastplatz fort. Angekommen an einem Stellplatz mit Feuerstelle, freuten wir uns auf unser verdientes Dinner und unsere nächtliche Viersamkeit. Doch wir trauten unseren Augen kaum, als sich der Camingplatz urplötzlich mit unzähligen Vans füllte, die vermuten ließen, es gäbe Freibier. Innerhalb kürzester Zeit war der Stellplatz gefüllt mit Backpackern aus aller Welt, die sich allesamt auf ihren Gaskochern Nudeln zauberten. Dank ihrer exzellenten fremdsprachlichen Kenntnisse, die sich die Twins im Verlauf der Jahre eifrig erkämpft hatten, konnten diese auch den defekten Gaskocher der französischen Backpacker wieder instand setzen. Nachdem die verschiedenen Vans und deren Besitzer ausgekundschaftet wurden, ließen wir unseren Abend mit zwei deutschen Backpackern bei dem ein oder anderen Bier ausklingen. Diese erwiesen sich jedoch im Nachhinein als äußerst spießig und geizig, sodass wir für den Rest des Abends neidisch auf deren Chipspackung starrten. Wie so oft verbrachten wir den Rest des Abends zu viert auf der gemütlichen Matratze Daisys und nächtigten Seite an Seite mit unzähligen weiteren Campervans. Man merkt, die Ostküste ist nicht mehr fern!










Daisy's Day

Der heutige Tag war dafür vorgesehen, das, wie Franz der Goldgräber es sagen würde, "minimale Leck" an Daisys Windschutzscheibe zu beseitigen. Der Weg führte entlang geschwungener, grüner Hügellandschaften 80 Kilometer ins Inland. Während der Regen gegen die Scheiben prasselte und wir die Hits im Radio aus vollster Seele musikalisch begleiteten, warteten wir zu viert in unserer guten Conny. Zur Überbrückung der Wartezeit steuerten wir sämtliche Supermärkte an, in denen wir uns am "Free Fruit for Kids" (dt.: kostenfreies Obst für Kinder) bedienten und unseren Vorrat an Nudeln und Haferflocken aufstockten. Zu viert lebt es sich doch um einiges leichter!





Dienstag, 22. November 2016

... ein Unfall auch nicht

Am nächsten Morgen wurden wir ebenfalls aus unserem Schlaf geweckt - glücklicherweise jedoch nur vom prasselnden Regen. Bevor die Fahrt entlang der Küste weiter gehen sollte, prüften die beiden Berbs aus gewohnter Vorsicht und vorbildlicher Weitsichtigkeit das Öl unserer Fahrzeuge. Während ein lautes "Alles prima!" aus der Motorhaube Daisys hervordrang, blickte Lukas für einige Zeit wie versteinert auf den Ölmessstab, der völlig utopische Werte anzeigte. Ein jeder gesunder Mensch würde nun vermutlich meinen, unser Öl sei völlig leer und wir hätten, verpeilt wie wir waren, vergessen, es regelmäßig aufzufüllen. Aber nein. Das Öl unserer treuen Conny befand sich meilenweit über seinem Maximum, was vermutlich daran gelegen haben könnte, dass der sonst so tiefenentspannte und in sich ruhende L.Berb am vorherigen Tag großzügig und keineswegs sparsam das Öl in unser Fahrzeug geleert hatte. "Als rein damit!", waren seine Worte gewesen, "die schluckt viel!".
Völlig überfordert standen wir Vier nun im prasselnden Regen um die Motorhaube unserer treuen Conny, die scheinbar doch nicht so viel schluckte wie gedacht. Nach einem langen Notfall-Gespräch mit Motorexperte W. Fleckenstein, der in jeglichen bremslichen Situationen aus seinem süßen Schlaf gerissen wird, stand fest, was zu tun war: die Ölwanne musste geöffnet werden - das Öl musste raus.
Da unser Backpacker-Repertoire selbstverständlich keinen dreizehner Ringschlüssel hergab, begannen die beiden Jungs unser Schicksal in die Hand zu nehmen. Nach etlichen erfolglosen Versuchen, die Ölwanne ohne das besagte Werkzeug zu öffnen, blickten wir unserem Dilemma endgültig in die Augen. Als hätte uns das Schicksal erhört, kam jedoch wie durch ein Wunder ein gigantischer Truck in unsere Haltebuch gefahren, der eine große Staubwolke mit sich zog. Aus der quietschenden Tür stiegen in langsamen Schritten zwei waschechte Australier, die in der Tat als Inbegriff eines echten Arbeitstieres gelten konnten. Nachdem wir unser Problem geschildert hatten, breitete man vor uns ein Repertoire an Schraubenschlüsseln aus, von dem sämtliche Baumärkte nur träumen könnten. Selbstverständlich zückten die beiden Arbeiter auch den besagten 13er-Schlüssel, der die beiden Berbs urplötzlich unter unserem weißen Van verschwinden ließ. Nach einigen Minuten voller inbrünstiger Schreie war die Ölwanne geöffnet und die braune Flüssigkeit floss in unsere Müsli-Box. Da es Lukas am Vortag mit dem Öl tatsächlich viel zu gut gemeint hatte, war die erste Box schnell voll. Voller Hektik eilte Paula mit unserem geliebten Nudelkochtopf zur Hilfe, den Lukas jedoch aus Angst, er bekäme keine Nudeln mehr, lieber nicht einsetzte.
Nach einiger Zeit krochen die beiden bärtigen Berbs ölverschmiert unter unserem Van hervor. Conny war gerettet.
Als Dankeschön überließen wir den beiden Australiern zwei Bananen und zwei Flaschen Bier, die ihre Augen zum Glänzen brachten.
Kurze Zeit später verließen wir die Haltebucht und freuten uns, dass der ölige Zwischenfall nun endlich überstanden war.

Voller Freude erreichten wir einige Zeit später ein ruhiges Plätzchen am Strand, wo wir nach der morgendlichen Hektik unser verdientes Frühstück verspeisen wollten. Als wir jedoch guter Dinge aus unserem Van stiegen, erwies sich das Schicksal erneut als unbezwinglich. Ein riesiger, spinnennetzartiger Riss zierte nun die Windschutzscheibe Daisys, hinter der die zwei völlig fassungslosen Gesichter Elis und Paulas hervorblickten. Schnell war klar, dass Elias eine kleine Fliege töten wollte, die sich offensichtlich auf der Scheibe des guten Vans niedergelassen hatte. Die monströse Kraft, die zum Töten einer Fliege selbstverständlich von großer Bedeutung war, hatte dafür gesorgt, dass wir nun zum erneuten Mal um einen unserer Vans standen und ein uns bereits bekanntes Krisengespräch führten. Unser mittlerweile auf jegliche Notfälle spezialisiertes Team arrangierte somit in kürzester Zeit einen Termin mit der nächstgelegenen Scheiben-Werkstatt, die jedoch utopische Preise für die Reparatur verlangte.
Wie so oft stellte sich unser Schicksal, nachdem es unsere Laune in den Keller getrieben hatte,  als guter Freund heraus. Als wir unsere Gaskocher, Nudeln und Soßen in den nächstgelegenen Park verfrachtet hatten, trafen wir nämlich die nette Australierin Maria, die mit ihren Freunden im selben Park ein Thermomix-Dinner veranstaltete. Da uns "Thermomix" durchaus ein Begriff war und wir die Frikadellen und Bratwürste der Gruppe bereits auf dem Grill bruzzeln sahen, erwiesen wir uns als die hilfsbereitesten deutschen Backpacker der Geschichte und halfen Maria, jegliche Kisten in den kleinen Park zu tragen. Da unsere Hilfsbereitschaft durchaus durchdacht war und unser Blick keine Sekunde von den vielen australischen Köstlichkeiten gewichen war, staubten wir letztendlich einen Teller voller Kuchen und Brownies ab, die wir wie im Nu verschlangen. Die unfassbare Freundlichkeit der Australier sorgte außerdem dafür, dass der gigantische Steinschlag auf der Scheibe des Vans in der gesamten Thermomix-Gruppe diskutiert wurde und man nach einigen Telefonaten jegliche Scheiben-Reparatur-Werkstätten in der Umgebung ausgekundschaftet hatte. Nachdem wir die günstigste Alternative in Erfahrung gebracht hatten, machten wir es uns zu viert in Daisy gemütlich, bis wir dort nach unserem verhängnisvollen Tag gemeinsam einschliefen.







Ein Polizist kommt selten allein

Es war ein Dienstag. Im November. Es war ein Tag, an dem das Schicksal mit aller Kraft versuchte, unsere Verzweiflung an ihr endgültiges Maximum zu treiben. Und es hatte Erfolg.

Bereits der Morgen des Tages sorgte dafür, dass unser Adrenalinpegel für einen kurzen Moment in die Höhe schoss und man uns aus unserem süßen Schlaf entriss. Während das gewohnte Berb-Schnarchen aus unseren treuen Campervans entwich und wir im Rauschen des Meeres selig träumten, ertönte ein Schlag, der uns vermuten ließ, dass der vermeintliche Weltuntergang von 2012 nun mit verspäteter Wirkung eintrat. Urplötzlich öffneten wir die Tür, um zu sehen was es war, das unseren Bus in ein derartiges Wanken versetzt hatte.
Als Lukas schlaftrunken aus unserem noch immer wackelnden Van spähte, blickte er in die Augen eines bärtigen Australiers in neongelber Warnweste, der sich mit all seinem Gewicht auf unsere Conny stemmte und sie somit in eine beunruhigende Schieflage versetzte. "EXCUSE ME", hörten wir ihn brüllen, "NO CAMPING." ("Entschuldigen Sie... Kein Camping.")
Nachdem der brüllende Mann langsam zur Ruhe gekommen war und uns auf die 1000 Dollar Strafe hinwies, die jeden ertappten Wild-Camper angeblich erwarteten, wurden wir uns erst dem Ernst der Lage bewusst. Dank unserer bereits antrainierten schauspielerischen Gabe gelang es uns jedoch letztendlich, der utopischen Strafe zu entgehen und den überemotionalen bärtigen Mann schnaubend von Dannen ziehen zu lassen. Auf den morgendlichen Schock verspeisten wir unser alltägliches Schälchen voller Obst mit Haferflocken und sorgten dafür, dass sich unser Herzschlag allmählich wieder beruhigte.

Nachdem der Schock verdaut war, setzten wir unsere Fahrt in Richtung Philip Island fort - eine wunderschöne Insel mit paradiesischen Stränden, tosenden Wellen und Hügeln voller leuchtender Wildblumen. Nach einem Abstecher zu den einheimischen Tierreservaten, in denen wir genau einen wildlebenden Pinguin erspähten, warfen sich die endlich wieder vereinten Berbs in die gigantischen Wellen. Nach einem heißen und entspannten Tag auf der Insel suchten wir uns nach einem hervorragenden Dinner am Strand einen Platz für die Nacht. Aufgrund der morgendlichen Verwarnung des bärtigen Polizisten beschlossen wir noch zu später Stunde, die ebenfalls mit "NO CAMPING" markierte Insel zu verlassen und am Highway zu nächtigen. Wie aus dem Nichts erschien vor unseren Vans jedoch ein leuchtendes blaues Licht, das von einer schrillen Sirene begleitet war. Nachdem unsere beiden Camper auf die Seite des Highways gedrängt wurden, kam uns zum erneuten Mal ein australischer Polizist entgegen gestapft.
"Why the hell are you driving 30?!" ("Warum zur Hölle fahrt ihr 30?"), schrie er uns entgegen. Betreten blickten wir auf den Boden und gestanden letztendlich unsere furchtbare Angst vor Kängurus, die ein schallendes Lachen unter dem langen Bart hervorbrachte. Nach einem kräftigen "No worries, mates!", das mittlerweile ein fester Bestandteil des Standard-Vokabulars der Berbs war, zogen wir weiter und nächtigten letztendlich in einer Haltebucht am Highway.








Freitag, 18. November 2016

Reunion

Am heutigen Tag - es war der 18. November 2016, der als großer Tag der Wiedervereinigung in die Geschichte eingehen wird - sollte sich zeigen, dass die Anziehungskraft von Zwillingen auch keinen Stopp vor großen Distanzen macht. Es dauerte nicht lange bis das Schnurren Daisys in der Strandpromenade Melbournes erklang und ein uns bereits vertrautes Grölen aus den Scheiben des weißen Busses drang. Sofort fielen wir uns in die Arme und begutachteten gegenseitig unsere treuen Begleiter Daisy und Conny, die sich auf Anhieb blendend verstanden. Denn ab heute sollte keiner unserer weißen Vans allein mehr die Straßen Melbournes durchqueren, nein. Von nun an wurden unsere zwei treuen Begleiter, selbstverständlich von Berb-Hand gesteuert, nur noch dicht aneinander gereiht in der großen Stadt gesichtet. Wir waren vereint.

Nach einem erholsamen Tag am Strand, der uns all unsere bisherigen Erfahrungen, Momente und Schlamassel austauschen ließ, traten wir den Weg in die Innenstadt an. Auch heute bestätigte sich, während Straßenmusiker um die Wette sangen und das Grölen der Menschen aus den vollen Pubs drang, dass Melbourne die zweifellos schönste Stadt war, die wir alle vier jemals betreten hatte. Selbst das doch so idyllische Laufach konnte dem Anblick auf die leuchtende Skyline, die von einer Festival-artigen Atmosphäre gesäumt war, leider nicht standhalten. Am folgenden Tag zeigten wir unseren zwei Neuankömmlingen die schönsten Ecken der Großstadt und steuerten noch am selben Abend ein Musik-Event in einer Rooftop-Bar an (für Opa Rudi: eine Bar, die sich auf dem Dach eines Wolkenkratzers befindet). Trotz grandioser Berb-Orientierung und gewohnt seelenruhiger Absprache konnten wir die große Fete leider nicht auffinden. Ein Zahlendreher in der Hausnummer sorgte letztendlich dafür, dass wir (wenn auch nicht auf den Dächern der Stadt) einen DJ in der Innenstadt bestaunten. Nach einem langen Abend mit ausgiebigem Gesprächsstoff ließen wir uns erschöpft in unseren weißen Vans nieder, von denen man meinen konnte, sie seien Zwillinge.



Weitere News gibt es unter www.gesurftwirdnuraufdemmeer.blogspot.com

Dienstag, 15. November 2016

Rückblick #AdelaideToMelbourne

Da wir einen der wahrscheinlich schönsten Abschnitte unserer Reise und vermutlich sogar unseres bisherigen Lebens gerade abgeschlossen haben, haben wir einige Momente in einem weiteren Video zusammengefasst:



M E L B O U R N E

... eine Stadt voller Lichter, voller Farben und Gesichter - und irgendwo dazwischen wir. Joggende Menschen so weit das Auge reicht und überall Kunst, Graffiti und Menschen, die versuchen, über den Großstadtlärm hinweg zu musizieren. Zufälligerweise war am Zeitpunkt unserer Ankunft Musikwoche, sodass aus all den Parkanlagen die laute Musik der Livebands drang, die im Lärm der Stadt verloren ging. Sobald die Sonne hinter der gigantischen Skyline der Millionenstadt versank, begann Melbourne zu leuchten. Open Air-Märkte, noch mehr Musik und hippe Menschen erfüllten die schmalen Gassen, in denen auch kein Banksy unentdeckt blieb. Lampions und Lichterketten schmücken die Alleen und im tiefbraunen Yarra-River spiegeln sich die Lichter der leuchtenden City. Flatscreens präsentieren Filme neuer Künstler und Flyer mit der Aufschrift "Trump sucks" zieren die Straßenlaternen. Obwohl sich die Großstadt im Anbruch des heißen, australischen Sommers befindet, sorgen all die Dekorationen und Lichterketten für Weihnachtsstimmung. Fazit: Melbourne ist toll.









Samstag, 12. November 2016

Rückblick #PerthToAdelaide

Zur Feier unseres 1. Monats, den wir nun im Paradies verbracht haben, haben wir einen kleinen Rückblick zusammengestellt. Dieser ist unter folgendem Link verfügbar:



Torquay, Beach

Great Ocean

Von allem was Reiseführer, Australier und das Internet von der berühmten Great Ocean Road berichtet hatten, übertraf der Anblick, der sich uns an diesem Tag bot, jegliche Erwartungen. Schon bald schlängelte sich die schmale Straße entlang des rauschenden Meeres, das laut gegen die felsigen Kalksteinklippen brauste. Mitten im Ozean ragten dünne Felsnadeln dramatisch in die Höhe, die an das einst vorhandene Festland erinnerten, das sich im Verlauf der tausenden Jahre durch die Kraft des Meeres abgetragen hatte. Ehrfürchtig standen wir vor all den Wundern der Natur, die das Land in eine mystische Atmosphäre tauchten. Trotz der Scharen voller asiatischer Touristen, die so hektisch auf ihre Kameras drückten, das man meinen konnte, die gigantischen Felsbrocken könnten jede Sekunde in den tosenden Wellen versinken, war der Anblick schlicht und einfach pures Glück. Den Abend verbrachten wir mit Hippies aus Melbourne tief im australischen Regenwald, wo wir im Schein des Lagerfeuers den verrückten Lebensgeschichten unserer neuen Freunde lauschten. Lukas kam somit in den Genuss seines ersten australischen Bieres, das im VW-Bus der Hippies in einer Vielzahl vorhanden war. Lange noch saßen wir um unser großes Feuer und ließen unseren perfekten Tag langsam ausklingen.


Bay of Islands

The Grotto (Die Grotte)

Loch-Ard-Schlucht

Die berühmte Loch-Ard-Schlucht erinnert an den großen Schiffbruch im 19. Jahrhundert, in dem das große Schiff Loch Ard auf der Reise von Irland nach Australien kurz vor dem Erreichen der Küste gekentert war. Ein armer Geselle und eine Adelige junge Dame, die dieser tapfer aus den Wellen rettete, waren die einzigen Überlebenden. Heute ist die Küste als "Shipwreck Coast" (Schiffbruchküste) bekannt, da von 1800 bis 1900 über 200 Schiffe an den felsigen Klippen kenterten.

London Bridge (Gefallene London Brücke)


12 Apostles


Eigentlich beläuft sich die Zahl der berühmten Zwölf Aposteln heute lediglich auf 7 und auch in der Vergangenheit soll es laut Forschern nie mehr gegeben haben. Ihren biblischen Namen tragen sie nur deshalb, um Touristen besser anzulocken. Vorher waren die berühmten Felsen nämlich als "Die Sau und ihre Ferkel" bekannt, was zugegeben tatsächlich keinen mystischen Charme versprühen kann.


Cape Otway Regenwald, Triplet Falls (Drillings-Fälle)