Dienstag, 22. November 2016

Ein Polizist kommt selten allein

Es war ein Dienstag. Im November. Es war ein Tag, an dem das Schicksal mit aller Kraft versuchte, unsere Verzweiflung an ihr endgültiges Maximum zu treiben. Und es hatte Erfolg.

Bereits der Morgen des Tages sorgte dafür, dass unser Adrenalinpegel für einen kurzen Moment in die Höhe schoss und man uns aus unserem süßen Schlaf entriss. Während das gewohnte Berb-Schnarchen aus unseren treuen Campervans entwich und wir im Rauschen des Meeres selig träumten, ertönte ein Schlag, der uns vermuten ließ, dass der vermeintliche Weltuntergang von 2012 nun mit verspäteter Wirkung eintrat. Urplötzlich öffneten wir die Tür, um zu sehen was es war, das unseren Bus in ein derartiges Wanken versetzt hatte.
Als Lukas schlaftrunken aus unserem noch immer wackelnden Van spähte, blickte er in die Augen eines bärtigen Australiers in neongelber Warnweste, der sich mit all seinem Gewicht auf unsere Conny stemmte und sie somit in eine beunruhigende Schieflage versetzte. "EXCUSE ME", hörten wir ihn brüllen, "NO CAMPING." ("Entschuldigen Sie... Kein Camping.")
Nachdem der brüllende Mann langsam zur Ruhe gekommen war und uns auf die 1000 Dollar Strafe hinwies, die jeden ertappten Wild-Camper angeblich erwarteten, wurden wir uns erst dem Ernst der Lage bewusst. Dank unserer bereits antrainierten schauspielerischen Gabe gelang es uns jedoch letztendlich, der utopischen Strafe zu entgehen und den überemotionalen bärtigen Mann schnaubend von Dannen ziehen zu lassen. Auf den morgendlichen Schock verspeisten wir unser alltägliches Schälchen voller Obst mit Haferflocken und sorgten dafür, dass sich unser Herzschlag allmählich wieder beruhigte.

Nachdem der Schock verdaut war, setzten wir unsere Fahrt in Richtung Philip Island fort - eine wunderschöne Insel mit paradiesischen Stränden, tosenden Wellen und Hügeln voller leuchtender Wildblumen. Nach einem Abstecher zu den einheimischen Tierreservaten, in denen wir genau einen wildlebenden Pinguin erspähten, warfen sich die endlich wieder vereinten Berbs in die gigantischen Wellen. Nach einem heißen und entspannten Tag auf der Insel suchten wir uns nach einem hervorragenden Dinner am Strand einen Platz für die Nacht. Aufgrund der morgendlichen Verwarnung des bärtigen Polizisten beschlossen wir noch zu später Stunde, die ebenfalls mit "NO CAMPING" markierte Insel zu verlassen und am Highway zu nächtigen. Wie aus dem Nichts erschien vor unseren Vans jedoch ein leuchtendes blaues Licht, das von einer schrillen Sirene begleitet war. Nachdem unsere beiden Camper auf die Seite des Highways gedrängt wurden, kam uns zum erneuten Mal ein australischer Polizist entgegen gestapft.
"Why the hell are you driving 30?!" ("Warum zur Hölle fahrt ihr 30?"), schrie er uns entgegen. Betreten blickten wir auf den Boden und gestanden letztendlich unsere furchtbare Angst vor Kängurus, die ein schallendes Lachen unter dem langen Bart hervorbrachte. Nach einem kräftigen "No worries, mates!", das mittlerweile ein fester Bestandteil des Standard-Vokabulars der Berbs war, zogen wir weiter und nächtigten letztendlich in einer Haltebucht am Highway.








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