Freitag, 14. Oktober 2016

WE DID IT!

Bereits an Tag 3 am anderen Ende der Welt dürfen wir uns stolze Besitzer eines Mitsubishi Starwagon nennen, der uns trotz des hohen Preises als unser neues Heim überzeugen konnte. Nach einer Car-Inspection, die uns um weitere 100$ ärmer machte, stellte sich heraus, dass das Auto als fahrtauglich einzustufen war und wir damit bis auf wenige, dennoch kostspielige Reparaturen, unseren Roadtrip beginnen konnten.
Auch wenn uns die europäische Gewohnheit vorerst auf die rechte Seite zog, konnten wir (bzw. Lukas, der die Fahrerrolle dankend übernahm) uns bald an den Linksverkehr gewöhnen.
Als wir unser neues Gefährt genauer inspizierten, stießen wir neben 2 Angeln, Gaskochern und einer gefühlten Jahresration an Nudeln auf viele weiteren Gadgets, die man als Backpacker scheinbar benötigte.
Auch wenn die nächsten 2 Nächte, bis unser Campervan zum ultimativen Backpackermobil transformiert werden sollte, noch im Hostel vorgesehen sind, können wir unser Leben im Auto kaum erwarten.





Franz der Goldgräber

Nachdem wir uns um alle Dinge gekümmert hatten, die für die nächsten 6 Monate im Paradies scheinbar von großer Bedeutung waren (Kreditkarte, SIM-Karte, Steuernummer, usw.), konnten wir an Tag 2 bereits mit der Suche nach unserem treuen Begleiter beginnen.
Folglich konnten wir unser Glück kaum fassen, als der erste Campervan-Verkäufer, dessen schwäbisches Englisch nicht zu verkennen war, direkt ein Treffen mit uns vereinbarte. Und so trafen wir uns mit Franz, der sich als ein alter, verschwitzter Mann mit fettigem Haar entpuppte, der angab, als Goldgräber in Australien tätig zu sein und das Auto lediglich als Schlafgelegenheit während seiner Goldsuche verwendet zu haben. Franz stellte sich als äußerst aufdringlich heraus, sodass er das tropfende Öl, das Lukas, nachdem er unter dem weißen Mitsubishi hervorgekrochen kam, feststellte, lediglich als ein "kleines, minimales, auf keinen Fall wichtiges Leck" bezeichnete.
Unsere sofortige Unsicherheit bestätigte sich spätestens dann, als wir während unserer Testfahrt die nächstgelegene Werkstatt anzusteuerten, um uns neben den überschwinglichen Reden von Franz noch ein wenig abzusichern. Doch bereits als wir aus unserem vermeintlichen Backpacker-Gefährt ausstiegen, schrie uns der erste Mechaniker kopfschüttelnd ein lautes "Oh no, don't do that, guys!" entgegen.

Franz, der Goldgräber, entpuppte sich als ein bereits bei der Polizei bekannter Mistkerl, der sein tägliches Brot damit verdiente, schrottreife Autos an ahnungslose Backpacker zu verkaufen.

Und so verabschiedeten wir uns freundlich von Franz und freuten uns, dass der Strand nicht fern war und unser Roadtrip nicht bereits nach einem Tag ein Ende nahm.

Doch wie es die Spontanität der Australier zuließ, erwartete uns noch am selben Tag ein Treffen mit dem nächsten Verkäufer, bei dem uns, so hofften wir, mehr Glück erwartete.






Down Under

05:11, die rote Morgensonne von Perth ist das erste, was wir vom Flugzeug aus sehen können.
Nach einem Walk durch die Innenstadt macht sich zum ersten Mal die fehlende Nacht und der Jetlag bemerkbar, der auch nach einem Kaffee für 8,70$ nicht verschwinden konnte. Doch die Vorfreude auf das geplante Schläfchen im Hostel, die uns nahezu im Stehen einschlafen ließ, wurde uns leider durch die Check-In Zeit um 12:00 verweigert, sodass wir uns weitere 5 Stunden mit 20 Kilo Gewicht auf dem Rücken durch unsere neue Heimat schleppen mussten. Alle Menschen, die wir trafen, entpuppten sich als unwahrscheinlich offen und freundlich, sodass uns die entspannte Mentalität der Australier, die sich in einem  "No worries!" hinter jedem Satz bemerkbar machte, schnell ansteckte.

Die unwahrscheinlich hohen Preise für nahezu alles, was man Down Under erwerben konnte, ließen uns schnell spüren, dass sich unsere zukünftigen Mahlzeiten bald auf Toast mit Tomato-Dip beschränken würden. Dennoch stellte sich die erste Stadt unseres Roadtrips als wunderschön heraus, sodass wir unsere Toasts genüsslich an der River-Promenade verspeisten.



   



Dienstag, 11. Oktober 2016

SINGAPUR- Day 2

Neben schicken Limousinen, die die großen Hotels am Marina Bay ansteuerten, fuhren Anhänger, beladenen mit arbeitenden Indern. Neben modernen Wolkenkratzern lagen botanische Gärten und Seerosenteiche. Neben Indern und Malaien in langen Gewändern standen wir...
Auch während des 2. Tages in der Stadt der Löwen war die brennende Äquator-Sonne eine Qual, die nur die klimatisierten U-Bahn-Stationen und gigantischen Shoppingmalls kompensieren konnten.
Nach einem 30 Kilometer langem Walk durch indische, chinesische und arabische Stadtviertel wurden wir der City, die kein Ende zu nehmen schien, bereits langsam vertrauter. Hektische Menschen, Hitze und der dauerhafte Geruch nach frittiertem Essen und Süß-sauer-Soße. Doch das erstaunlichste in dieser Stadt war vermutlich, dass Menschen jeglicher Religionen friedlich, Haus an Haus, nebeneinander lebten und jeden Neuling mit einer so überwältigenden Freundlichkeit zu empfangen schienen, dass uns ein junger Malaie, den wir gebeten hatten, einen 10$ Schein zu wechseln, uns ohne zu zögern seine 5$ schenkte.
Doch das wohl größte Highlight des Tages war die Gondel-Fahrt nach Sentosa Island, eine Insel voller Wasserparks, Achterbahnen und traumhaften Stränden.
... ja, das Leben im Paradies beginnt.










                                           

Montag, 10. Oktober 2016

SINGAPUR - Day 1

Heiß. Zu heiß. Und schwül. Zu schwül. Aber geil.

Mit dem Öffnen der Eingangstür des Changi Airport Singapore erschütterte uns eine Hitzewelle, die uns für den Rest des Tages verfolgen sollte und Lukas' T-Shirt bereits nach 3 Minuten triefen ließ.

Beginnen sollte unser erster Tag auf dem asiatischen Kontinent mit einer Shuttle-Bus-Fahrt, die uns das Vorhandensein des Führerscheins des Fahrers Ong Peng bezweifeln ließ.

Und doch stellte sich die Stadt als eine der schönsten heraus, die wir je gesehen haben.











We now walk INTO THE WILD.


Die Geschwindigkeit des Airbus A388 passte sich nun langsam aber sicher meinem Herzschlag an, während Lukas schon den ersten Action-Film anschmiss. Doch spätestens, als die Maschine den gewohnten Boden verließ, sah auch dieser von seinem Flat-Screen hoch und musste feststellen, dass es nun ernst wurde.

Der Flug sollte lang werden, sehr lang. Denn auch nach 11 Stunden, irgendwo über dem indischen Ozean, bemerkten wir, dass wir trotz des schnarchenden Inders neben uns, keinen Schlaf fanden.







My heart's beating like a jungle drum


Noch 7 Stunden. Dann ist es soweit. Zeit zum Aufbruch, Zeit zum Abheben. Zeit, dass die Aufregung, die unsere Körper in ein undefinierbares Gefühl zwischen Traum und Realität versetzt, endlich ihre Berechtigung findet. So viel Monate, Wochen und Tage war genau dieser Moment das Ziel, das unser gewohntes Leben einmal um 180° drehen sollte. So weit, dass unser Zuhause für die nächsten 183 Tage auf der anderen Seite der Welt sein soll. Weg von allen, die wir lieben, weg von Fernsehern und wartenden Mittagsessen, weg von 11° Tagestemperatur und Fußbodenheizung.

Und nun stehen wir hier, kurz davor, all diese Dinge hinter uns zu lassen - kurz vor dem Moment, an dem die Reise ins Unbekannte endlich beginnen soll.