Am heutigen Tag steuerten wir das Cape Bridgewater an, einen Geheimtipp eines alten Australiers, der uns für 3 Dollar in einem Freibad in Mount Gambier eine Dusche gewährt hatte. Bereits auf der Fahrt entlang der kurvigen, endlosen Straße, die in der Ferne das leuchtende Blau des Meeres widerspiegelte und von Wiesen umgeben waren, die uns noch grüner als sonst erschienen, wussten wir, er hatte recht. Der Bridgewater Bay musste ein echter Geheimtipp sein. Als Conny sich dem weißen Sand näherte, die türkisblauen Wellen immer deutlicher wurden und unser Herz einen Schlag schneller zu schlagen begann, wussten wir, wir waren angekommen. Wir waren angekommen in einem Land, das in Prospekten und der Werbung schlichtweg als Paradis gelten würde. Angekommen in einem Land, das schöner war, als wir es uns jemals erträumt hätten.
Nachdem wir mit Blick auf die tosenden Wellen des Südlichen Ozeans durch unser Hinterfenster das ein oder andere Avocado-Brot verspeist hatten, setzten wir die Fahrt in unserem neugestalteten Van in Richtung der Blowholes fort. Von allem, was einem unter dem Begriff "Blowholes" in den Sinn kommen könnte, übertraf das Naturschauspiel, das sich vor unseren Augen ausbreitete, jegliche Vorstellungen. Immer weiter näherten wir uns dem 50 Meter tiefen Abgrund, an dem die Naturgewalten des Meeres mit einer Kraft, die jegliche menschliche Vorstellungen übertrifft, gegen die schwarzen Felswände donnerten. Die Wellen schossen meterweit in die Höhe und ließen uns mit Gänsehaut von dem gewaltigen Schauspiel, das die Natur in diesem Moment vollführte, für einige Minuten schweigend staunen. Spannender als jeder Film verfolgten wir dieses Wunder der Natur, das Bilder vermutlich nicht ansatzweise vermitteln können.
Der weitere Weg unseres Tages führte uns zu einer Seelöwenkolonie, für die wir einen 11 Kilometer langen Marsch auf uns nahmen. Während die Sonne bereits langsam hinter den felsigen Klippen des Capes versank, zog die australische Natur zum erneuten Mal unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wie durch ein Wunder schien die karge Steppe, die in unseren Augen nichts war als leer, urplötzlich zum Leben zu erwachen. Als wir unseren Weg entlang der felsigen Klippen fortsetzen, tauchte der Kopf eines verdutzen Tieres hinter einem großen Busch auf. Als hätte der Blick in die Augen des Tieres einen Schalter gelöst, kamen immer mehr Kängurus hinter den verdörrten Büschen zum Vorschein. Die gesamte Herde der mindestens dreißig Tiere stand nun regungslos vor uns und schien in ihrer Überraschung genauso gelähmt zu sein wie wir. Und dann, urplötzlich, als wir uns langsam immer weiter an die riesigen Tiere, von denen einige größer waren als wir selbst, genähert hatten, verschwand die Herde, so plötzlich wie sie gekommen war, in der dämmernden australischen Abendsonne. Neben Kängurus begegneten wir Echidnas (ähneln einem Igel), Hasen und einem Black Wallaby, die die unfassbare Leere des Landes wie durch ein Wunder mit Leben erfüllten.
Angekommen an unserem eigentlichen Ziel, der Seerobbenkolonie, trauten wir unseren Augen kaum, als wir von einer 50 Meter hohen Plattform über dem rauschenden Meer die winzig erscheinenden, schwarzen Seerobben durch die brausenden Wellen toben sahen. Während das gewaltige Meer laut gegen die Klippen brauste, die weißen Schaumkronen an den felsigen Wänden hinabrieselten und irgendwo auf der anderen Seite dieses Planeten ein Monster von Mensch zum wichtigsten Mann der Welt deklariert wurde, schien unsere Welt für einen Moment still zu stehen. Alle Probleme, Ängste und Sorgen, die so viele Menschen auf der ganzen Erde in diesem Moment überkamen, waren wie ausgelöscht. Als das glückliche Jauchzen der Robben im Meer an den felsigen, meterhohen Wänden wiederhallte und die Natur all ihre Pracht zur Schau stellte, schien die gesamte Welt für einen winzigen Moment perfekt zu sein.




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