Dienstag, 1. November 2016

Bigcitybikers

Aus gewohnter Sportbegeisterung und instinktiven Tatendrang beschlossen wir am heutigen Tag unserer Reise zwei uralte und quietschende Fahrräder auszuleihen. Dieses Vorhaben setzten wir nach einem Abstecher zum Central Market, einer riesigen Plaza voller frischer Leckereien, in die Tat um. Aufgrund unseres begrenzten Budgets als Backpacker, das uns das Widerstehen sehr erschwerte, liefen wir mit glänzenden Augen durch die Hallen voller Obst, Käse und "German Mettwurst". Nur bei einem Süßwarenstand konnten wir uns, nachdem wir uns reichlich an allen zur Vergung stehenden Probier-Häppchen bedient hatten, nicht mehr zurückhalten. Unsere Errungenschaften beliefen sich auf drei Riesendonuts mit Schokoguss, die uns unser Vorhaben, Down Under gesund zu leben, schnell vergessen ließen. Nachdem wir diese in kürzester Zeit vernichtet hatten, steuerten wir mit unseren Rädern durch den Innenstadtverkehr, bis wir zufälligerweise auf einem Fahrradweg am Fluss landeten. Aufgrund der begrenzten Parkzeit von zwei Stunden mussten wir jedoch nach einer Runde Backgammon am Fluss wieder umkehren, um die hohen Parkhausgebühren clever zu umgehen und unsere liebe Conny schlicht und einfach umzuparken. Daraufhin steuerten wir den berühmten botanischen Garten Adelaides sowie das Kunstmuseum Südaustraliens an, für die Lukas rasende Begeisterung hegte.

Da wir uns und unser Glück bereits relativ gut zu kennen schienen, speicherte Lukas auf seinem Handy, vorausschauend wie er war, den Standpunkt unseres Auto ein. Unglücklicherweise war der Akku, nachdem wir unseren Rückweg angetreten hatten, leer und das Handy aus. Trotz pfadfinderischem Orientierungssinn und bereits antrainiertem Findergeist, konnten wir unser doch eher zurückhaltendes Fahrzeug erst nach einiger Zeit und überschrittener Parkdauer wieder aufspüren. 
Als die australische Sonne langsam hinter der Skyline der Millionenstadt versank, trafen wir unsere Berliner Backpacker-Freunde, mit denen wir für den Rest des Abends durch die Straßen zogen. Am Ende des Abends unterhielten wir uns noch für eine lange Zeit am Highway Adelaides, bis urplötzlich am Dach Rockys (dies war der Name des Gefährts der Berliner Backpacker) ein lautes Prasseln ertönte. Das merkwürdige Geräusch wurde von einem wiederholten Klopfen abgelöst, das uns verwunderte Blicke austauschen ließ. Auch meine Haare hatten einige der kleinen erbsenartigen Früchte abbekommen, von denen wir glaubten, dass die vom über uns wankenden Baum stammen mussten. Nachdem wir die merkwürdigen Früchte genauestens inspiziert hatten, mussten wir nach einem Blick in die Wipfel des Baumes jedoch feststellen, dass der Schein trügte. Über uns saß, frech grinsend, ein vierbeiniges Tier mit riesigen Augen, mit dem es sich, wie uns Tobis Tier- und Pflanzenführer im Nachhinein bestätigte, um ein klassisches Ringelschwanz-Opossum handelte.
Nach dem feucht-fröhlichen Zwischenfall am Highway verschwanden wir beide in unsere gemütlichen Vans, von denen nun einer einen unverhofften Ballast mit sich zu tragen hatte.



In Australien herrscht eine strikte Fahrradhelmpflicht,
die wir, vorbildlich wie wir sind, einhielten.


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